Zaungäste – oder: Hilfe, ich habe Tenniseltern

„Lauf! Mensch beweg dich! Zieh die Jacke aus! Rede nicht so viel! Trink was! Aus, der war aus! Netz, Wiederholung! Zieh die Jacke an! Bleib stehen! Schneller, man was ist denn los mit Dir! Du spielst ganz super! Klasse, ihr spielt klasse! Konzentrier Dich, geh in die Mitte. Zieh. Komm jetzt. Oh man. Tzzzzh!!! Oooooh!!!! Ähhhhh!! Schaade! Was für einen Mist spielst du denn? Der war drin! Nee, so geht das aber nicht! …. Du musst auch mal was sagen!“…..  Und so weiter und so weiter.

Wer spricht da eigentlich zu wem? Es erweckt doch den Eindruck, dass ein völlig hilfloses Etwas da scheinbar etwas macht, was sich offenbar ohne derartige Kommentare nicht von der Stelle bewegen kann. Das ist ein „Tenniseltern“ mit dem Tenniskind beim Punktspiel oder Turnier. Ersatzweise gerne auch Tennisgroßeltern oder andere  „Beauftragte“ . Ich habe sogar erlebt, dass eine Mutter mit der Trinkflasche beim 15:30 auf den Platz lief, und sie ihrer Tochter an den Mund hielt.

Da stehen die armen Väter und Mütter, Großeltern und Freunde am Zaun, kauen an den Fingernägeln, Laufen hin und her, Rauchen eine Zigarette nach der anderen, Schauen mit kritischen Blicken, Zischen und Schnalzen mit der Zunge, Verdrehen die Augen, sichtbar nervös.

Und dann habe ich es selbst getan und ich habe einen Rüffel bekommen. Ich habe meine Tochter angefeuert und wollte ihr helfen. Dabei war ich diejenige, die Hilfe brauchte. Zwar habe ich nur „Komm jetzt, konzentrier Dich!“  gesagt. Mein Zaunnachbar meinte, ich sei ja sowas von peinlich. Wenn sein Vater so etwas damals auf dem Platz zu ihm gesagt hätte, wäre er stinksauer gewesen. Ich habe es nicht gleich verstanden, ich war wohl irgendwie im KinderTennisFieber, aber Stunden später habe ich es begriffen: Für die Kinder ist so ein Verhalten der Eltern, auch noch so gut gemeint, eben schier fürchterlich und hemmend.

Niemand wird als Tenniseltern geboren. Man muss also lernen, sich richtig zu verhalten. Das Tennisspielen haben die Kinder beim Training erlernt, sie kennen die Regeln, können oft schon selbst zählen und mit dem Gegner kommunizieren. Wenn nicht, haben sie die Möglichkeit, einen Schiedsrichter zu holen. Das Verhalten der Eltern neben dem Platz hat große Wirkung auf das Verhalten Ihres Kindes. Angst und Nervosität überträgt sich.

Die erste und wichtigste Regel ist eigentlich:

Geht es Ihnen als  Tenniseltern gut, geht es dem Tenniskind auch gut. Jede Form der Aufregung überträgt sich automatisch. Müssen und wollen Sie dem Match also zuschauen, stehen Sie am Besten total entspannt mit optimistischer Miene am Rand. Blickt das Kind zu Ihnen, nicken Sie optimistisch und leicht lächelnd aufmunternd zu. Kann man das nicht durchhalten, geht man lieber spazieren oder einen Kaffee trinken. Merken Sie, dass Ihr Kind ständig zu Ihnen schaut, meiden Sie den Blickkontakt.

Zweite Regel:

Die Eltern bewegen sich praktisch nicht. Wir denken immer, die Kinder sehen uns nicht, wenn sie uns gerade nicht direkt anschauen. Aber Fehlanzeige. Alles was wir tun, bekommen sie mit. Jedes Zucken und jedes an den Kopf fassen. Jedes Zischen. Jedes Augenverdrehen und jedes Umdrehen.

Dritte Regel:

Auf keinen Fall einmischen. Ob der Ball aus oder drin ist, entscheidet jedes Kind auf seiner Seite. Das Elternauge sieht oft subjektiv. Da sind die kritischen Bälle eher „in“ und „aus“ zugunsten des eigenen Kindes, auch völlig normal.

Vierte Regel:

Tipps vor dem Spiel geben. Auf gar keinen Fall während des Spiels coachen. Das Kind weiß selber, was es tut, welche Fehler es macht. Vertrauen wir ihm. Es muss von alleine Neues ausprobieren. Dann wird es selbstsicherer, kann sich selbst besser einschätzen.

Fünfte Regel:

Nur loben, nur positive Kritik. Am besten nach dem Spiel fragen, ob man überhaupt etwas zum Spiel sagen darf. Ach ja, und nicht übertreiben.

Sechste Regel:

Nicht jedem Match zuschauen. Die Kinder müssen lernen, alleine auf dem Platz zu sein. Sie trinken, wenn sie durstig sind und sie essen, wenn sie hungrig sind. Auch merken sie, wenn ihnen zu kalt oder zu warm ist.

Siebte Regel:

Wenn Sie klatschen, klatschen Sie nicht nur für ihr eigenes Kind, sondern auch für den Gegner, wenn dieser einen tollen Punkt erspielt hat. Niemals wird für einen Fehler des Gegners geklatscht.

Achte Regel:

Kinder lernen stets am Beispiel der anderen Kinder. Daher sollten Sie niemals ein schlechtes Benehmen Ihres Kindes tolerieren, auch wenn es gerade dabei ist zu gewinnen. Schreien, Schummeln, Mogeln, Fluchen, Schläger werfen! Drohen Sie dem Kind an, es vom Platz zu nehmen und tun Sie dies auch ohne großes Aufsehen unverzüglich bei Wiederholung! Erklären Sie dem Kind hinterher, warum Sie dies getan haben. Nur so können Sie es in Zukunft davor schützen, sich unfair und unsportlich auf dem Platz zu verhalten. Gerade bei kleinen Kindern haben Sie die Möglichkeit, positiv Einfluss zu nehmen. Später lässt sich dies oft nur schlecht korrigieren.

Liebe Tenniseltern, es ist schwer und schön, ein Tenniseltern zu sein. Den Kindern macht das TennisMatch riesig Spaß und das sollte es uns auch machen!!

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